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Das goldene Zeitalter: Skandale, Stars und lebende Statuen. Teil 2 Geschichte des Burlesque

 

In den 1920ern brachen die amerikanischen Burlesque-Zirkel zusammen, Produzenten wie die berühmten Minsky-Brüder setzten fortan auf Striptease. Josephine Baker zeigte sich in Paris oberkörperfrei im Bananenrock. Anfang der 1930er etablierte sich der bis heute bekannte Look aus Pasties und G-String, nachdem New Yorks Bürgermeister Fiorello LaGuardia hart gegen das Gewerbe vorging. Gypsy Rose Lee revolutionierte in dieser Zeit das Genre, indem sie Striptease mit Witz und Erzählkunst verband, jedoch niemals ihren BH auszog. 

 

Lebende Statuen: Der britische Weg um die Zensur

 

In London löste man das Problem der Zensur auf besondere Weise. Ab 1932 zeigte das berühmte Windmill Theatre in Soho nackte „Tableaux Vivants" – lebende Bilder, in denen die Performerinnen als „lebende Statuen" posierten, um das damalige Sittengesetz zu umgehen, das „unanständige Zurschaustellungen" verbot, künstlerische Darstellungen jedoch erlaubte.  

Der Lord Chamberlain, oberster Theaterzensor Londons, erlaubte Nacktheit auf der Bühne nur unter einer strikten Bedingung: Die Frauen durften sich während der gesamten Darbietung keinen Millimeter bewegen. Seine berühmte Regel lautete sinngemäß: „Nacktheit ist erlaubt, aber wenn es sich bewegt, ist es unanständig." Die Frauen durften also als Statuen, mit leichten Stoffen bekleidet stehen, während raffiniert positioniertes Theater-Licht ihre Körper reizvoll zur Schau stellte, sich aber nicht bewegen, was zur Schliessung des Theaters führen konnte, da immer mindestens ein Polizeibeamter anwesend war, um die Einhaltung dieser Regel zu kontrollieren. 

Später wurde daraus der Fächertanz weiterentwickelt: Eine nackte Tänzerin wurde von Assistentinnen mit Fächern verdeckt, hielt am Ende der Nummer vollkommen still, während die Fächer entfernt wurden – erst dann durfte sie für wenige Sekunden regungslos posieren. Findige Produzenten umgingen die Regel sogar, indem nicht die Tänzerin selbst, sondern etwa ein rotierendes Seil bewegt wurde, an dem sie sich festhielt. Diese Tradition der „Poses Plastiques" reichte tatsächlich bis ins mittlere 19. Jahrhundert zurück, als das britische Bühnenzensurgesetz Schauspielerinnen ausdrücklich verbot, sich nackt oder halbnackt bewegend zu zeigen – regungslose Tableaux boten hier ein legales Schlupfloch für gewagte Unterhaltung.

 

Verhaftet und trotzdem auf die Bühne: Die großen Namen der 1950er

 

Die 1950er waren die Hochzeit des amerikanischen Burlesque-Glamours – und zugleich eine Zeit ständiger juristischer Auseinandersetzungen. Eine der berühmtesten Künstlerinnen dieser Ära, Lili St. Cyr, wurde mehrfach verhaftet und stand wegen angeblich unsittlichen Verhaltens vor Gericht. Besonders bekannt wurde ihre Verhaftung 1951 während ihres Auftritts im Hollywood-Nachtclub Ciro's, wo ihr wegen ihrer berühmten Bubble-Bath-Nummer Erregung öffentlichen Ärgernisses vorgeworfen wurde. Vor Gericht führte sie ihre Nummer sogar direkt vor der Jury auf, was nach nur 78 Minuten Beratungszeit zu einem Freispruch führte – ein Ereignis, das als „echter Sieg für die Branche" gefeiert wurde. Rechtlich war die Szene damals ein Flickenteppich: 1950 erlaubten nur sieben US-Bundesstaaten Striptease-Auftritte überhaupt, in New York etwa durften Tänzerinnen jeweils nur für acht Takte eine einzelne Brust entblößen.

Zu den größten internationalen Stars dieser Ära zählte Tempest Storm, die „Queen of Exotic Dancers", die als bestbezahlte Performerin ihrer Zeit 1956 einen Zehnjahresvertrag über 100.000 Dollar erhielt. Sie war eng mit Persönlichkeiten wie Frank Sinatra, Dean Martin und Sammy Davis Jr. befreundet und traf 1956 in Las Vegas Elvis Presley, mit dem sie kurz darauf eine Affäre begann – die endete, als Elvis befürchtete, eine Verbindung zu einer Stripteasetänzerin könnte seiner Karriere schaden. Auch mit John F. Kennedy, den sie 1957 kennenlernte, wurde ihr eine Beziehung nachgesagt. Storm stand noch mit über 80 Jahren auf der Bühne. Weitere prägende Namen der Zeit waren Blaze Starr, Bettie Page – die gemeinsam mit Storm im Film „Teaserama" auftrat – sowie Sally Rand mit ihrem berühmten Fächertanz.

 

Im dritten und letzten Teil dieser Serie liest Du: warum Burlesque in den 1960er-Jahren fast verschwand – und wie es seit den 1990ern als Neo-Burlesque zur weltweiten Bewegung wurde.