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Die Ursprünge des Burlesque – Von der Literaturparodie zur Bühnenkunst. Teil 1 Die Geschichte des Burlesque

 

Der Ursprung des Wortes „Burlesque" liegt tiefer, als viele vermuten. Erstmals tauchte der Begriff in den „Opere Burlesche" des italienischen Dichters Francesco Berni auf. Das Wort selbst geht auf das italienische „burla" zurück, was so viel wie Scherz oder Spott bedeutet, und wurde über das Französische ins Englische entlehnt. Im 17. Jahrhundert etablierte sich Burlesque als literarischer Begriff in Italien und Frankreich, wo er eine groteske Nachahmung des Erhabenen oder Rührseligen bezeichnete. In Frankreich schrieb Paul Scarron mit seinem „Virgile Travesty" eines der bekanntesten burlesken Werke der Zeit, eine komische Umdichtung klassischer antiker Stoffe. Burlesque war damit ursprünglich reine Literatur- und Theaterparodie.

 

Der eigentliche Gründungsmoment: London, 1831

 

Burlesque wurde zu einer Form des Theaters, als dessen „Vater" der britische Dramatiker James Robinson Planché gilt. Er inszenierte Burlesque als systematische komische Neuschreibung eines bekannten literarischen Werks. Sein Stück „Olympic Revels, or Prometheus and Pandora" eröffnete 1831 das Olympic Theatre in London. Die Darsteller trugen dabei historisch korrekte klassische Kostüme, und stellten eine komische Version des bekannten literarischen Werkes auf der Theaterbühne dar.  Dieses Stück brachte großen Erfolg ein und zog eine ganze Serie ähnlicher Stücke von Planché über die folgenden dreißig Jahre nach sich. In Burlesque Theaterstücken sind Anzüglichkeiten oder sexualisierte Szenen nicht unüblich, wodurch dieser historische Trend bereits der Freizügigkeit des heutigen Burlesque nahe ist. Bis in die 1880er-Jahre hinein hatte praktisch jede populäre Oper ihre eigene Burleske Version, und auch Shakespeares Werke wurden regelmäßig durch den Kakao gezogen. Selbst W. S. Gilbert, später berühmt für seine Gilbert-und-Sullivan-Opern, schrieb früh in seiner Karriere fünf Opern-Burlesken. 

 

Broadway und die „British Blondes"

 

Auch am Broadway war Burlesque schon in den 1850ern präsent, und 1866 signalisierte der Hit „The Black Crook" mit seiner Truppe in hautfarbenen Trikots, dass auch ein respektables Publikum für aufreizende Unterhaltung zahlte. 1868 brachte Lydia Thompson mit ihren „British Blondes" das britische Genre in die USA, eine Truppe, die gemeinsam mit ihrem Partner Willie Edouin sowohl in Großbritannien als auch in Amerika berühmt wurde. In dieser frühen Phase wurde noch nicht entkleidet – die Performerinnen wurden lediglich für das Heben ihrer Röcke bestraft.

 

Weltausstellungen und der Beginn der Entkleidung

 

1893 trat die Tänzerin „Little Egypt" auf der Weltausstellung in Chicago auf und wurde zur bekanntesten Verkörperung eines orientalisch inspirierten Bühnentanzes in Amerika – Ursprung des Begriffs „exotic dancer", da Darstellerinnen sich fortan weiter entkleideten, um diesen Tanz zu adaptieren. Parallel entstand in Paris am Moulin Rouge und den Folies Bergère eine frühe Form des Stripteases, in der eine Performerin sich auf der Suche nach einem imaginären Floh langsam auszog.

 

Ziegfeld und Deutschland

 

Florenz Ziegfeld prägte mit seinen „Follies" ab 1907 das Bild der Frau auf der amerikanischen Bühne, unter dem Motto „Glorifying the American Girl", mit synchron choreografierten Ziegfeld Girls. Zeitgleich entwickelte sich in Berlin ein eigener, radikaler Schönheitstanz: Anita Berber tanze ab 1919 nackt, mit ausdrucksstarkem Make-up und expressionistischen Choreografien, in Programmen wie „Tänze des Lasters, des Grauens und der Ekstase". 1925 porträtierte sie Otto Dix in einem heute weltberühmten Gemälde. Eingebettet war ihr Wirken in die Berliner Kabarett-Kultur der Weimarer Republik, geprägt von Friedrich Hollaender und Margo Lion.

 

Im zweiten Teil dieser Serie: das goldene Zeitalter des Burlesque – von den lebenden Statuen des Londoner Windmill Theatre bis zu den großen Stars der 1950er-Jahre.

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